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Sölden: Unfallhergang geklärt, Ursache noch unklar

Sölden, 18.11.2004: Jakob Falkner, der Geschäftsführer der Ötztaler Gletscherbahnen, bedankte sich bei der heutigen Pressekonferenz zum Seilbahnvorfall am 14.11.2004 zu aller erst für den Einsatz der Retter und das Verständnis der 113 betroffenen Fahrgäste. „Wir sind froh und dankbar, dass alle 113 Fahrgäste unversehrt gerettet wurden“, so Jakob Falkner. Als symbolisches Dankeschön wurden bereits alle Gäste zu einem Gratis-Wochenende in Sölden eingeladen und ein Dankesfest für die Retter ist in Vorbereitung.


Chronologischer Ablauf:

Diesbezüglich hält Prokurist Hansjörg Posch wie folgt fest:

13:30 Steuerseil verhängt sich mit einer Talwärts fahrenden Kabine (das wusste jedoch keiner der Seilbahn-Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt)

13:33 Stillstand der Bahn

Die Bediensteten der Seilbahn haben laut Auskunft der Sachverständigen dann ordnungsgemäß laut Betriebsvorschrift gehandelt. Es erfolgte eine Kontrolle durch Bahnbedienstete und Maschinisten. Dabei wurde das RPD Rope Production Detectiv – ein Seilauflageüberwachungssystem überprüft, welches alles in Ordnung anzeigte. Danach erfolgte ein Anruf von Mitarbeitern der Zwischen- mit Mitarbeitern der Bergstation – das Telefon funktionierte zu diesem Zeitpunkt und die Verbindung war aufrecht. Zudem erfolgte eine Prüfung mit Sichtwinkel von Zwischenstation und Bergstation.

14:15 Umstellung auf Notbetrieb

Aufgrund der Betriebsvorschrift wurde der Notbetrieb aufgenommen mit davor laufender Funktionsprobe. Die Bahn fuhr wieder an.

14:20 Nach zirka 2 Metern verhängt sich eine Talwärts fahrende Gondel bei einer Stütze in der Rollenbatterie. Sie wird aus der Klemme vom Seil gerissen und stürzt ab. Zeitgleich muss das Steuerkabel endgültig gerissen sein.

14:23 Der Rettungseinsatz wird von den verantwortlichen Personen eingeleitet. Zuerst wurde die schnellere Hubschrauberbergung versucht, welche wegen zu starkem Wind eingestellt werden musste. Daher entschied man sich für die manuelle Bergung.

18:10 56 Personen bereits gerettet (die Hälfte der Betroffenen)

21:05 der letzte betroffene Fahrgast konnte heil und ohne körperliche Verletzungen geborgen werden. Alle Personen wurden von Rettung und Notarzt befragt und mit warmen Getränken und Decken versorgt.

Schadenshergang:

Zum Schadenshergang äußerte sich Jakob Falkner wie folgt: Der Vorfall wurde durch das Verhängen des Steuerkabels an einer Klemme der Kabine verursacht. Laut Berechnung der beauftragten Zivilingenieure ist jedoch die Berührung der Seillinien des Steuerkabels und des Förderseils unmöglich. Diese Berechnungen wurden bei der Planung der Bahn im vergangenen Jahr getätigt.
Wie eine Berührung trotzdem zustande kommen konnte, muss noch durch Versuchsanordnungen untersucht werden. Bist dato wurden zirka 100 Anlagen in dieser Bauart in Europa ausgeführt. Es sind Anlagen, die seit über 15 Jahren ohne Unfall in Betrieb sind. Diese Bahn ist nagelneu, mit modernsten Sicherheitsausstattungen ausgerüstet und wurde im Oktober 2003 kurz vor dem Weltcup-Opening eröffnet. Bei dieser Anlage wurde das Steuerkabel an den Stützen montiert, weil eine Verlegung im Gletscher auf Dauer unmöglich ist. Der Grund liegt in den laufenden Bewegungen des Gletschereises.
Aber WARUM ist es zur Berührung gekommen: Die Vermutungen sind laut Söldener Gletscherbahnen in einer „Potenzierung von Schwingungen“, die durch volle Kabinen – Aufwind – böiger Wind – Stopp der Kabinen zustande gekommen sind, zu suchen. Doch die wirkliche URSACHE muss durch Versuchsanordnungen der Behörden erst festgestellt werden.
Zu den Schadensersatzforderungen äußert sich Dr. Thomas Frad, Anwalt der Bergbahnen Sölden, wie folgt: „Nach der österreichischen Rechtsordnung ist Schadensersatz nur dann zu leisten, wenn ein Krankheitswert mit physischer oder psychischer Beeinträchtigung vorliegt. Sofern dies vorliegt und nachgewiesen wird, werden Schadensersatzforderungen von den Gerichten zugesprochen. Eine Beurteilung, ob und für wen eine Haftung besteht, kann jedoch erst festgestellt werden, wenn die Schadensursache geklärt ist.“
Ungerechtfertigte Forderungen und geschmacklose Vergleiche mit Kaprun und dem 11. September von ausländischen Anwälten werden auf das schärfste zurückgewiesen.
Zum Eindruck der Fahrgäste wurde beim Medientermin ein Schreiben einer Betroffenen, namentlich Frau Valerie Hofstadt aus Deutschland verlesen, welche sich über die hohen Schadensersatzforderungen ärgerte. Aus dem Schreiben „… Ich finde, dass die Anwälte nur das Geld in der eigenen Tasche sehen, wenn sie solche hohe Klagen einreichen. …“
Weitere wichtige Fragen wurden vom technischen Direktor Ing. Hans Speckle wie folgt beantwortet:

1). Die Sicherheit der betroffenen Fahrgäste war auch nach dem Absturz der leeren Gondel immer gewährleistet, weil alle Anlagenteile unbeschädigt waren. Dies betrifft vor allem das Förderseil und die Stützen.

2). Ein Absturz einer voll besetzten Gondel auf der bergwärts fahrenden Seite ist aufgrund des deutlich größeren Abstandes zum Steuerseil „nahezu auszuschließen“ gewesen. Zwischen den voll besetzten Gondeln bergwärts und den leeren Gondeln talwärts ist ein Höhenunterschied zirka 19 Meter.

3). Zur Information über die abgestürzte Gondel wird festgestellt, dass die Sicherheit der Gäste auch nach dem Absturz immer sichergestellt war. Um aber die Bergung ohne Panik abzuwickeln, wurde der Absturz nicht offensiv kommuniziert, aber bei Anfragen immer bestätigt. Auch die verantwortliche Behörde wurden sofort über den Absturz in Kenntnis gesetzt.

 Quelle http://www.soelden.com
 Reporter: Ram-Brand
Kategorie: Seilbahnzwischenfälle
Datum: 18.11.2004 20:49:03

Lift: Schwarze Schneid II